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  • Anna-Maria Wolf

ANLEITUNG FÜR UNGLÜCKLICHE TEAMS

Aktualisiert: 21. Okt. 2021

Ganz im Sinne von Paul Wazlawik erfahren Sie hier, was Sie als Teamleiter:in tun müssen, um ihr Team richtig unglücklich zu machen.


  1. Denken Sie negatives über Ihr Team. Was denken Sie über Ihre Mitarbeiter:innen? Ja, natürlich – ihre Mitarbeiter:innen sind faul und prinzipiell nicht motiviert ihre Arbeit zu erledigen. Mitarbeiter:innen muss man durch Prozesse noch effizienter machen und in einem engen Korsett führen und viel kontrollieren – nur so kann man sicherstellen, dass Ihre Mitarbeiter:innen arbeiten. Am besten verbalisieren Sie auch ständig, was Sie von Ihren Mitarbeiter:innen halten – nämlich, dass diese unmotiviertund nicht motiviert sind. Das sorgt so richtig dafür, dass Ihr Team unglücklich ist.

  2. Kontrollieren Sie ihre Mitarbeiter:innen ständig. Hoffentlich ist auch bald die Home-Office Zeit vorbei – dann ist Schluss mit dem Wäsche waschen neben der Arbeit. Aber es gibt glücklicherweise noch andere Möglichkeiten, wie Sie als Führungskraft genau kontrollieren, was Ihr Untergebener tut: Mit entsprechenden Softwareprogrammen, bei denen man den Status der Mitarbeiter:in gerade sieht, oder lange Statusmeetings, wo der Arbeitsstand überprüft wird (Was machst du gerade? Bis wann? Wo sind die Ergebnisse abgelegt?) oder der Klassiker: Sie rufen unangemeldet an.

  3. Stellen Sie sofort Regeln auf. Sie ärgern sich wieder, weil ein Fehler passiert es, der vermeidbar gewesen wäre? Wie wäre es damit, dass man sofort gleich entsprechende Regeln aufstellen! Und das schöne dabei – Regeln unterdrücken Ihre Mitarbeiter:Innen! Ed Catmull, Co-Founder von Pixar und vierfacher Oscar-Preisträger, sagt: „Regeln sind erniedrigend für 95 Prozent der Menschen, die sich ohnehin einwandfrei benehmen. Man sollte keine Regeln erfinden, die nur die anderen fünf Prozent im Zaum halten sollen.“

  4. Behandeln Sie ihre Mitarbeiter:innen wie Kinder. Sie entscheiden alles! Ihre Mitarbeiter:innen müssen für jede Tätigkeit Sie nach Erlaubnis bzw. Freigabe fragen. Lassen Sie Ihren Mitarbeiter:innen möglichst keinen Freiraum und keine Verantwortung. Vor allem aber lassen Sie ihre Mitarbeiter:innen im Ungewissen. Sie müssen nur das wissen, was für Ihre Arbeit wichtig ist – und Sie können das natürlich am besten entscheiden.

  5. Investieren Sie auf keinen Fall in ihre Mitarbeiter:innen. Sie bezahlen Ihre Mitarbeiter ja um Ihre Arbeit zu verrichten und nicht dafür, „lustige Spiele“ bei einer Weiterbildung zu spielen, die sowieso nichts bringt. Zudem können Sie so richtig die Kostenquote senken, indem Sie Ihre Mitarbeiter:innen für den Mindestlohn arbeiten lassen und keine sonstigen Vergünstigungen anbieten. Keine Sorge, irgendwer findet sich immer für die Arbeit!

  6. Führen Sie ihre Mitarbeiter:innen in die Ohn-Machtlosigkeit. Wenn ihr Team Erfolg hat, dann ist das zu 100% ihr Erfolg und nicht der Ihrer Mitarbeiter:innen. Bei wichtigen Präsentationen steht auch nur Ihr Name drauf und nicht der Ihres Teams. Ihr Team hat keine Macht und keine Verantwortung. Sie bestimmen und deligieren – Ihr Team muss tun, was Sie sagen. Und am Besten hat Ihr Team kein Einfluss auf die Arbeit und Arbeitszeit. Sie geben vor, Ihr Team muss es erledigen – ohne Rücksicht auf individuelle Stärken und auch Lebenssituationen.

  7. Ersticken Sie jede Idee im Keim. Sie wollen doch nicht, dass Ihre Mitarbeiter:innen mitdenken, oder? Sie haben doch bereits an alles gedacht und mit den Prozessen für einen reibungslosen Ablauf gesorgt. Neue Ideen brauchen wir nicht. Das Alte ist sowieso immer das Beste.

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